Does it ring a bell?

by anketroeder

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»Ich habe die Paprika schon mal zum Käse geklebt,« sage ich zu meinem Biomann an der Kasse. Ich mag keine Zettel auf meinem Gemüse. Auch nicht auf meinem Finger oder dem Einkaufskorb. (So machen das nämlich hier die meisten Kunden.) Natürlich könnte ich die Paprikaschoten in eine Tüte und dann den Zettel auf die Tüte … aber man kauft ja Bio auch, um weniger Tüten.

Obwohl es inzwischen auch in meinem Bioladen von Plastik nur so wimmelt. Kennen Sie Sesamkrokant, einzeln bio-zellophanverhüllt?  Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte. Bleiben wir also bei Paprika und Käse.

»Vielen Dank,« sagt mein Biomann. »Macht zusammen 4,45.«

Erst als ich einpacken will, fällt ihm auf, das etwas nicht stimmen kann. Er nimmt die Finger zu Hilfe, murmelt Unverständliches (zwei Preise, drei Positionen?), Butter hatte ich auch, stimmt, mild gesäuert, 1,99, und dann ist alles klar, der Käse ist noch offen.

»Okay,« sage ich, zahle nach und lasse mir die Berichtserlaubnis geben, für meine Studierenden und für hier.

Und was genau haben nun Paprika, Butter und Käse mit Präsentationen gemein?

1. Aufmerksamkeit ist begrenzt. Reden Sie nicht dazwischen, wenn andere lesen. Das stört.

2. Aufmerksamkeit ist begrenzt. Wenn Sie mit dem Finger auf den Posten »Paprika« deuten, wird der Käse verhältnismäßig unsichtbar. Achten Sie also bei Folien darauf, dass das hervorgehoben ist, was wichtig ist. Malen Sie paprikarote Kringel um das, was zählt. Es zahlt sich aus.

3. Präsentieren lernen Sie auch im Bioladen. Oder an der Bushaltestelle. Präsentieren hat etwas mit Menschen zu tun.

4. Morgen Bilder mit dem Datum von heute zu benutzen ist immer schöner als Bilder von vorgestern. Andererseits bleiben Geschichten auch wahr, wenn man sie mehrfach erzählt. Relevanz hat nicht immer etwas mit dem Datum zu tun.

5. Was relevant ist, entscheiden Sie, indem Sie das Bild in den Kontext einer Geschichte stellen. Das Bild selber sagt nicht viel. Aufmerksamkeit ist begrenzt. Wenn ich auf einer Folie nicht weiß, worauf ich achten soll, achte ich im Zweifelsfall auf gar nichts. Sie könnten das Foto auch ganz weglassen. Aber mit ist so eine Geschichte natürlich immer gleich ein bisschen wahrer. Selbst wenn sie erfunden ist/wäre/sein könnte.

6. Geben Sie den Akteuren in Ihren Geschichten Farbe, Namen und Gesichter. Sagen Sie: Paprika und Käse, nicht: Lebensmittel.

7. Suchen Sie nicht nach mehr als sechs Gründen für eine Geschichte. Sechs Gründe sind mehr als genug. Schreiben Sie sie lieber auf, damit Sie sie nicht vergessen und überlegen Sie, was genau Sie damit sagen wollen. Eine Geschichte → eine Botschaft. Überfrachten Sie sie nicht. Sie ahnen es schon: Aufmerksamkeit ist begrenzt.