TEACH & TRAIN

Präsentieren bedeutet, mit Menschen zu sprechen.

Adventskalender #2

Oh by projektstil/@schnørkelig – Braunschweig

Oh.

Oder auch: Oh.

Oder: Oh.


Hören Sie den Unterschied?

Oh. Papier dunkelt schneller, als man denkt.

Oh. Das wusste ich nicht. Echt?

Oh. Ist das schön.

Oh. Jetzt besser nichts sagen. Nur denken. Lächeln.

Im Vortrag geht es immer auch ums Oh. Ums richtige. Das ist Ihr Job.

Falls sich grade jemand fragt, warum all mein Sach und Zeugs hier leicht altersmüde wirkt: Deshalb.

Ich arbeite seit vielen, vielen Jahren mit meinen Karten und Papier, besonders gerne jetzt in Zoom.

Nichts macht wacher als ein hochgehaltenes Oh. Oder Ach so. Oder auch mal . Das ist das Gegenteil vom Oh.

Das gelbliche A4-Papier ist aus Zuckerrohr und ist für all die Mitschriften und Scribbles und Ohs in einem Coaching. Es ist ein leises Papier. Als Studentin in den 80ern schrieb ich all meine Notizen auf Umdruckpapier, das war ähnlich, nur noch weicher und sehr preiswert. Heute gibt es offenbar kein Umdruckpapier mehr. Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte.

Oh. Sie sind ja gar nicht mehr da.

Ach.

Adventskalender #1

Pitchcards by Anke Tröder

Die Pitchkärtchen sind eigentlich schon ein halber Adventskalender. Wenn ich es also nicht schaffe bis zur 24 …

Was ich aber eigentlich sagen wollte, womit ich schon gleich den Anfang verbaselt habe, weil zwei Eigentlichs: Links oder rechts? Grafisch-minimalistisch oder Bling-Bling? Suchen Sie es sich aus. Vergleichen Sie. Spielen Sie mit dem Slider. Es ist Ihr Adventskalender.

Publikum darf sich leider oft nichts aussuchen. Es muss mitkommen. Ob es will oder nicht. Vom ersten Satz an, von der ersten Folie an. Mein Vortrag, mein Tempo, mein Weg.

Die Startseite ist dabei oft das Stiefkind im Foliensatz, egal ob Pitch oder Projektstudie, Fachvortrag oder …

Im zweitschlimmsten Fall sieht sie aus, wie Folien eben aussehen, wenn sie in ein Corporate Design gequetscht werden, das nicht zum Thema oder der Vortragenden passt. Irgendwie, na ja, und bitte immer schön an die Regeln halten. Dazu sind sie schließlich da, die Regeln. Nur: Im Vortrag gibt es keine Regeln. Vortrag muss lediglich funktionieren. So wie die Startfolie. Sonst ist beides Zeitverschwendung.

Im schlimmsten Fall passt die Startfolie zum Thema, ist schön, witzig, minimalistisch zurückhaltend, verwirrend, lädt zum Denken und Betrachten ein, spricht an, murmelt, wispert, zuppelt am Ärmel und sagt: komm mit, komm mit, ich muss dir was zeigen –– aber ZACK ist sie schon längst weggeklickt, noch bevor sie eine Chance hatte, all das zu sagen.

Dann doch lieber zuerst die langweilige Corporate-Design-Folie und eine zum Denken danach. Falls Sie überhaupt eine Folie brauchen. Nicht jede Idee braucht eine Folie. Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte.

Also: Geben Sie uns doch einen Moment Zeit; der Startfolie und dem Publikum. Danach ist alles viel einfacher, weil wir schon wissen, wohin die Reise geht.

Tell me why

Noch ein paar Tage bis zur Präsentation der Projektstudien. Zeit der großen Gefühle. Am Wochenende sind Generalproben. Und die eine Kinderfrage, um die es jetzt geht, ist immer dieselbe. WARUM? Denn vor lauter Begeisterung vergesst ihr manchmal, die Antwort ganz, ganz früh zu geben und dann kommen wir Zuhörerköpfe nicht mit. Spannung ist, wenn ich weiß, was passiert und warum. Beim Vortrag lesen wir die letzte Seite des Krimis zuerst. – ACH SO! Ja, dann. Spannend. Das wusste ich noch nicht. Erzähl doch mal …

Same old, same old

Präsentationswerkstatt Thesis.

2. Zoom-Semester.

Nach dem ersten Vortrag sagt eine mutig: »Ich bin jetzt ein bisschen verwirrt.«

Die anderen Thumbnails nicken müde. Das ist nicht gut. Spätestens nach dem Vortrag sollte alles glasklar sein. Besser noch gleich zu Anfang.

Wir fangen noch einmal von vorne an. In diesem Fall von hinten. Das letzte Bild ist der bessere Einstieg. Ach so, sagen plötzlich alle.

Ach so! Warum hast du das denn nicht gleich gesagt?

Darum geht es. Das ist eure Aufgabe. Euer Expertenwissen zu übersetzen in lichte Verständlichkeit. Ganz egal ob Fachvortrag, Thesis, Projektstudie oder Pitch. Ganz egal ob Zoom oder Live-Bühne. Ganz egal ob ihr sitzt oder steht.

Ach so. Warum haben Sie das nicht gleich gesagt?

Habe ich. Als ich zum ersten Mal zu euch sagte: Präsentieren bedeutet, mit Menschen zu sprechen.

Ich sage es andauernd. Wir müssen es nur immer wieder neu begreifen und verstehen. Eure Expertise ist meine Blackbox.

So wie der schwarze Tuschkasten, den eine in einem anderen Seminar mitbringt und geöffnet in die Kamera hält. Der Kasten bedeutet ihr sehr viel. Wir ahnen etwas, wir sehen auch die Farben aber solange du uns nichts zeigst oder erzählst über deine Farben, verstehe ich ihn nicht wirklich.

Ich frage nach ihren Lieblingsfarben.

»Ich habe eigentlich keine,« lacht sie und zeigt uns endlich eins ihrer Bilder und alles sagen Ah und Oh und eine helle Zoomstimme (heute krank, deshalb ohne Video) ruft aus dem Off: Das sieht aber gemütlich aus, da wäre ich jetzt auch gerne. Ab da sind wir im Vortrag. Ab da sind wir im Gespräch.

Um viel mehr geht es nicht.

Vielleicht wäre das bessere Bild für heute das von (m)einem Tuschkasten. Aber den können wir uns auch selber vorstellen und mit unseren eigenen Farben füllen. Wir können uns fast alles vorstellen, was ihr uns erzählt.

Solange ihr nur bewegte Bilder in unsere Köpfe malt.

Back to the Desk (Zoom Ed. 2)

Seit über einem Jahr nichts mehr zum Thema Vortrag geschrieben. Go figure. Wegen Leben und Sterben; aber vielleicht auch, weil zum Thema Vortrag eigentlich schon alles gesagt und geschrieben ist. Was bleibt, ist es zu tun, das gute Reden. Ob nun Remote oder Live auf einer Bühne.

Auch wenn jetzt alle predigen, dass jetzt alles ganz anders sein muss.

Muss es nicht. Nur noch weniger, noch dichter, noch kürzer muss jetzt alles sein. Noch klarer. Noch relevanter. Noch wachhaltender.

Wir können alle nicht mehr.

Noch immer aber gilt: Präsentieren bedeutet, mit Menschen zu sprechen.

Der Fünf-Satz ist noch immer ein sicherer Weg; und der Kompassmond das hellste Licht. Eine zweite Roadmap mit tausend Irrwegen durchs wilde Vortragsland, dem Fluch des Fachwissens und dem Verließ der finsteren Folien wird es natürlich auch noch geben.

Die Karte ist nur noch nicht voll und wirr genug.