TEACH & TRAIN

Präsentieren bedeutet, mit Menschen zu sprechen.

Category: structure

Season 3

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Und man weiß, es wird nicht gut ausgehen, und man weiß, die Geschichte ist nicht mehr aufzuhalten, und der Erzähler schiebt ein paar scheinbar harmlose Sätze vor den eigentlichen Anfang und erklärt, wer die Oboe ist und wer die Streicher, wer die Ente und wer die Katze. Und wer die Musik kennt und Peter und den Wolf, der weiß, dass es für die Akteure unaufhaltsam dem Ende zugeht; nur sie selber wähnen sich noch planvoll handelnd. — Fargo Season 3 ist vortragsklüger als jedes Handout zu Aufbau und Struktur es jemals sein könnte und ganz, ganz großes Kino.

Dungeons & Dragons

VieleWege.pngHeute im Seminar am eigenen Input bewiesen, dass sich jeder seine eigene Botschaft bastelt, wenn wir sie nicht deutlich genug machen. Ich rede 20 Minuten, es ist auch ganz nett, sagen sie danach, als sie evaluieren dürfen. Aber ich lasse die Hauptsache aus. Ich sage ihnen nicht, worum es heute geht.

Es geht heute um alles ein bisschen. Es gibt so viele Möglichkeiten, einen Vortrag zu strukturieren. So viele mögliche Einstiege. Es ist so vieles wichtig. Der Spannungsbogen. Die didaktische Treppe. Der gemeinsame Nenner. Das COIK-Syndrom. Es sind unterhaltsame 20 Minuten. Es gibt Drachen und Feuerwerk. Aber erst als ich ihnen den Namen meiner Keynotedatei vorlese, sagen sie: Ach so! Obwohl es auch eine dedizierte Ach-so-Folie gab. Aber da kletterte gerade ein Männchen munter animiert die didaktische Treppe hoch und machte oben ein Selfie. Da geht so ein Ach so schon mal unter.

Alles macht Sinn, alles findet sich später auch in ihren eigenen Übungsvorträgen wieder. Ich kann immer wieder sagen: Das war wie bei mir vorhin. Alles war relevant. Aber ohne klare Richtung wissen wir nicht, worauf wir achten sollen. Und niemand kann 20 Minuten lang auf alles achten. Also achtet man auf das, was einem relevant erscheint.

Von allen Inputs im ganzen Semester sind diese 20 Minuten die wichtigsten. Denn ihr kritisches Feedback erfasst es richtig und gut, was nicht richtig und gut war: Jeder nimmt etwas anderes mit. Aber keiner alles und keiner meine eigentliche Botschaft. Die muss ich ihnen danach und im Sitzen und in aller Ruhe erklären.

Meine Datei heißt übrigens: Viele_Wege_kein_Ziel.key

Two in one; undone

IMG_3758Passen Sie auf, dass Sie nicht versuchen, mehr als einen Vortrag auf einmal zu halten. Sie haben nur fünf Minuten.

Worum geht es also? Und worum geht es wirklich?

Dieses Posting gibt es eigentlich nur, weil ich den Probelaserklotz nicht wegwerfen wollte. Ab jetzt hat er Relevanz. Und hätte ich es nicht erzählt, würde alles wie von langer Hand geplant wirken. Manches muss man nicht planen; es findet sich einfach. Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte. Und die wäre besser ein eigenes Posting.

See what I mean?

Wicked!

Und so stellt man eine fast fertige Produktidee vor – Extrem charmanter Pitch. Very UK. Aber da komme ich nun mal her. 01:30ff ist die Stelle, ab der ich mich rettungslos verliebe. »See what I mean?«

Ganz frisch aus Youtube. [Via Reddit und dann überall]

Eigentlich …

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Eigentlich ist alles ganz einfach. Eigentlich wissen wir alle, wie Vortrag geht.

Eigentlich …

Aber dann kommt die Aufregung dazwischen, die Zeit, die Technik, alles mögliche, die alte Angst, die Vorstellung, sie könnten uns nicht mögen, die anderen; und vor allem das viele Gerede übers Präsentieren. Du musst … Nein, du musst …  Versuch doch mal …

Präsentieren bedeutet … und Sie wissen schon, was jetzt kommt.

Was immer kommt. Präsentieren bedeutet, mit Menschen zu sprechen.

Alles andere ergibt sich daraus.

Weil es stimmt. Ein bisschen gesunder Menschenverstand reicht. Sie wissen, wie Film geht. Sie wissen, wie Story geht. Sie wissen es, weil Sie genau spüren, wenn ein Vortrag Sie nicht mitnimmt, nicht am Ärmel zuppelt und flüstert: Komm mit! Ich zeig dir was!

Klammern Sie sich nicht so viel an Regelwerk. Lernen Sie keine Ich-muss-Listen auswendig. Jeder Vortragende ist anders, jeder kann und darf anders sein. Was für Schenkelklopfer und Bühnenhengste funktioniert (meist sehr viel weniger, als sie selber glauben), funktioniert für die Stillen und Leisen unter uns nie.

Finden Sie Ihre eigene Stimme, Ihren eigenen Stil. Kopieren Sie niemanden. Lesen Sie nicht: Präsentieren wie Steve Jobs. Auch nicht: Präsentieren wie Anke Tröder. Schreiben Sie lieber Ihr eigenes Buch: Präsentieren wie mein bestes Ich.

Ich versuche hier mal alles, was ich weiß und woran ich glaube beim Vortrag (Präsentieren bedeutet, mit Menschen zu sprechen) in fünf Unterpunkte zu fassen.

  1. Vergessen Sie das mit dem einzig wahren Ziel. Ziele sind wichtig, Landkarten und Richtungen sind besser. Dann kann man auch mal einen Schritt zur Seite, ein bisschen mäandern, abweichen, solange die Zeit das erlaubt. Zielsätze wiederum sind hilfreich. Die Story to go. Worum gehts? Was soll ich mitnehmen? Geht das in einem Satz? Für einen Gründerpitch muss das knackiger sein als für ein 15-Wochen-Seminar oder einen Wochenend-Workshop.
  2. Denken Sie. Denken ist eine altmodische, unterschätzte Tugend. Denken Sie laut. Mit uns. Das ist Vortrag. Denken Sie im Stehen, im Sitzen, auf dem Kopf, in einem Sessel, hinter dem Pult, neben dem Pult. Hauptsache, Sie denken laut und reden Hörtext. Schwätzen Sie nicht. Außer, Sie werden fürs Schwätzen bezahlt. Kommen Sie zum Punkt. Manche Vorträge lieben wir, weil sie nie zum Punkt kommen. Andere nicht. Vieles hängt einfach davon ab, ob wir uns auf Sie einlassen wollen. Machen Sie es uns einfach, Sie zu mögen. Reduzieren Sie vorher, was hinterher nicht reinpassen wird. Spielen Sie Game of Thrones mit Ihrem Vortrag. Kill your darlings. Sie wissen doch eigentlich, dass Sie zu Punkt 10 nicht kommen werden. Basic Instinct 101.
  3.  Fangen Sie an. Fangen Sie jetzt an. Fangen Sie damit an, was alle kennen. Fangen Sie dort an, wo schon alle sind. Auf der untersten Stufe der didaktischen Treppe. Beim kleinsten gemeinsamen Nenner. Bei der gemeinsamen Vision. Hauptsache, Sie fangen an. Reden Sie nicht lange darüber, was Sie tun werden. Tuns Sies einfach. Verlieren Sich nicht in Meta-Geschwatz. Außer, Sie werden genau dafür bezahlt.
  4. Bewegen Sie uns. Unsere Köpfe, unsere Herzen. Bitten Sie uns nicht, aufzustehen und Kniebeugen zu machen, wenn Sie uns nicht kennen. Erzählen Sie uns lieber was. Tell me a story, sing me a song: In all likelihood I will tag along. (Nein, das kann ich nicht übersetzen, das wollte Englisch sein.) Laden Sie uns ein mitzudenken, Fragen zu stellen. Auch laut. Bringen Sie uns Antworten mit auf Fragen, von denen wir nicht wussten, dass wir sie haben. Denken Sie in Spannungsbögen und Wachmachern. Dann kommen wir gerne mit. Auch längere Strecken.
  5. Hören Sie auf, wenn der Vortrag zu Ende ist. »Und sie lebten halbwegs zufrieden bis an ihr Lebensende« ist ein besserer Schluss, als »Ich glaube, die Zeit ist um.« Ein guter Schluss macht selbst einen schwachen Einstieg rückblickend gut. Primacy & Recency rule. Fragen Sie bloß nicht, ob jemand noch Fragen hat. Nicht alle stehen gerne auf und melden sich vor hundert anderen Fremden. Wenn Sie eine Diskussion wollen, bringen Sie lieber selber noch einen Denkanstoß mit oder schreiben Sie dem Moderator etwas auf sein Kärtchen. Haben Sie eine didaktische Reserve, für den Fall, dass noch Zeit ist. Oder doch einer was fragt. Oder der Strom ausfällt. Oder ein Adapter fehlt. Oder sonst was ist. Irgendwas ist eigentlich immer, wenn Vortrag ist. Versuchen Sie, Anfang und Ende miteinander zu verknüpfen. Machen Sie eine runde Sache draus. Sie können das. Eigentlich.
  6. Nein, zu Folien muss man nichts sagen. Folien sind kein Vortrag. Folien sind Hilfsmittel. Wie Rednerpulte. Man braucht sie seltener, als man denkt. Ist der Vortrag gut, hält man auch schlechte Folien aus. Sind die Folien toll, machen sie einen schlechten Vortrag nicht besser, nur erträglicher, weil wir was zu gucken haben. Meistens gucken wir dann aber ins Smartphone. Sieht ja keiner. – Eigentlich.