TEACH & TRAIN

Präsentieren bedeutet, mit Menschen zu sprechen.

Kategorie: planning

It’s one o’clock and time for lunch

Dum de dum de dum.

Wie spät ist es?, frage ich und zeige ihnen erst die eine und dann die andere Uhr. Die eine Uhr ist schön und teuer. Dänisches Design.

Die andere kostet zehn Euro. Höchstens.

Sie legen die Köpfe schräg. Wenn das Publikum die Köpfe schräg legen muss, haben Sie bereits verloren. Ihre Folien und die dänische Uhr auch.

Ich liebe meinen Georg-Jensen-Wecker. Aber ich kann ihn nicht lesen. Morgens um sieben schon gar nicht. Ich habe ihn gekauft, weil er einen blauen Zeiger hat, um den Alarm einzustellen. Niemand sonst hat blaue Zeiger. Nur Georg Jensen. Und genau daran scheitern wir gerade alle. Das Blau ist viel zu intensiv. Wir gucken dahin, wo wir nicht hingucken sollten. Welcher Zeiger gilt?

Zeit verliert gegen Blau. Immer.

Aufregung auch.

Bringt euch zum Vortrag Uhren mit, die ihr lesen könnt. Ich kann analog besser als digital, weil ich schon seit 100 Jahren mit Lehreruhren arbeite. Ihr seid digitaler unterwegs? Seid ihr da sicher? Ist das in der Referentenansicht die verstrichene Zeit oder die noch verbleibende?

Oder die aktuelle Zeit?

Seid ihr ganz sicher?

Every word a doorway

Jedes Wort eine Tür, eine Welt. Und ihr müsst uns an die Hand nehmen und uns zeigen, was für eine Welt das ist. Um jede Wortsonne kreisen Wortplaneten: Assoziationen. Jedes Wort bringt außer seiner Bedeutung auch eine mitgedachte Wertung mit sich. Apfel wirft das freundlichste Licht. Wir nennen das in der Semantik Konnotation.

Einfacher gesagt: Jedes Wort malt ein Bild in die Köpfe. Manche einen Film.

Manchmal auch mit Musik.

Und weil das so ist, müsst ihr immer genau das sagen, was ihr meint.

Skurril ist nicht dasselbe wie bizarr oder schräg. Ein Köter noch lange kein Hund. 

Was sehen Sie, wenn ich »Buckel« sage?

Genau. Sie sehen rund, weich, eine Wölbung, einen Buckelwal vielleicht oder eine Katze, je nachdem, wie Ihr Kopf tickt, oder auch einen Erdhügel. Hügel ist sehr nah dran an Buckel, der Glöckner von Notre Dame aber auch. Der kleinste gemeinsame  Nenner ist in jedem Fall eine halbwegs weiche Linie.

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Wenn Sie aber wollen, dass ich dieses Ihr neuestes Lampendesign begreife und mir vorstellen kann, dann ist Buckel der Weg ins Aus.

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Denn jetzt muss ich ganz weit weg von weich und rund und Hoppelhäschen. Ich brauche klare Linien, Flächen, Kanten, Falze, Dreiecke, Facetten, streng geometrische Formen, Polygone vielleicht, aber vor allem Origami. Das hier ist vermutlich der kleinste gemeinsame Nenner. Origami verstehen alle. Auch die, die nicht wissen, was Polygone sind.

Letzte Reisevorbereitungen

TAT-20170913-VokabellisteNoch eine knappe Woche bis zu den Prüfungen. Kommen Sie gut an!

You and me both

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Es hätte so schön sein können.

Ihr Lampenfieber und meine Aufmerksamkeitskurve sind fast deckungsgleich. Am Anfang, wenn ich noch hoffe, dass heute mal beim Vortrag alles anders wird – und das hoffen wir ja jedes Mal wieder, against all odds – machen Sie mir deutlich, wie sehr Sie es hassen, das mit dem Vortrag. Wie nervös Sie sind. Genau dann, wenn Sie meine volle Aufmerksamkeit haben, kokettieren Sie damit, dass Sie nicht vorbereitet sind, weil Sie sich nie vorbereiten, weil Sie immer viel zu nervös sind dafür. Nur Spießer bereiten sich vor. Sie streicheln Ihr Bauchweh.

Mein Bauchweh kümmert Sie offenbar nicht. Aber mich. Und ich komme nicht mit. Ich komme einfach nicht mit.

Und tschüss.

Da, wo Sie langsam entspannen, weil Sie merken, Sie leben noch, träume ich von elektrischen Schafen oder gucke Katzenvideos auf dem Smartphone. Erst am Ende finden wir wieder zusammen und sind beide froh, dass es vorbei ist.

Schade. Nicht? Schon um unser beider Zeit.

Back to the desk [Summer edition 2017]

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Vortrag muss dafür sorgen, dass in den Köpfen der Zuhörer Ordnung herrscht. Welche Sprache sprechen Ihre Zuhörer? Welche Bilder verstehen sie? Wo geht es denn hin? Warum soll ich mitkommen? Sind wir bald da? Was gibt es zu essen? Und wann?

Gute Vorträge sind Landkarten, road maps. Gute Vorträge weisen einem eine Richtung. Ob man da überhaupt hin will, darf jede(r) selber für sich entscheiden.

Es wird viel über Ziele und Zielsetzung geredet bei Vorträgen. Fast schon zu viel. Ziele kann und darf man sich immer setzen, niemand aber zwingt einen, sie auch zu erreichen. Manchmal ist die Reisevorbereitung daheim und im Kopf schöner als der Urlaub selbst.

Ich glaube sehr an das helle, kluge Licht eines Kompassmonds. Ich glaube an freundliche Reisebegleitung. Denn das und so ist guter Vortrag: Ein Reiseführer durch ein Thema, eine Frage, eine Idee. – Ein guter Vortrag nimmt an die Hand, macht neugierig, weckt oft genug auch Widerspruch: aber er zerrt einen nicht einfach ungefragt irgendwohin ins Trübe.

So ungefähr werden wir arbeiten.