TEACH & TRAIN

Präsentieren bedeutet, mit Menschen zu sprechen.

Tag: all_of_it

Ausgeprüft

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Die Prüfungen sind vorbei. Und was haben wir gelernt? Relevanz zählt. Und wenn das Publikum sagt: Jawoll, muss es die Prüferin nicht sagen. Die letzten zwei Wochen mit rund 40 Vorträgen zeigen deutlich, was an Veränderung auch unter den neuen, eingeschränkten Bedingungen möglich ist. Bei fast allen ist vieles besser geworden. Der letzte Tag zeigt aber auch: Mehr Zeit für Einzelberatungen ist besser. Die kleine Gruppe von fünf Studentinnen, mit denen ich individuell und projektorientiert arbeiten konnte, weil sie sich in den letzten und einzigen Kurs mit 4 SWS eingetragen haben, liefert ganz wunderbare Ergebnisse. Fünf Vorträge. Jeder zaubert ein Lächeln ins Gesicht. Jeder ist anders. Jeder ist spannend. Keiner auch nur im Geringsten anstrengend. Meine geliebte Image-Map als visuelle Gliederung geht übrigens noch immer. Schon weil sie kaum noch wer kennt. Wohin möchten Sie? Ist so verdammt viel souveräner als linear marschiert.

Danke an alle!

Jetzt wieder Ausatmen.  Es folgen die Thesis-Coachings.

Eigentlich …

Textstimmekorper

Das Schöne beim Vortragen und auch beim Vortragscoaching ist: Es ist egal, was Sie als Erstes verbessern. Alles hängt zusammen. Alles ist eins beim Präsentieren. Körper führt Stimme. Körper führt Emotionen. Stimme führt aber auch Körper. Ihre Emotionen holen die richtige, authentische, nicht-einstudierte Gestik dazu. Die passenden Worte sorgen für die passenden Emotionen und damit auch Stimme. Sagen Sie mal: Ich liebe dich so missmutig, als ob Sie es gar nicht meinen. Gar nicht so einfach, nicht? Nehmen Sie sich Raum, richten Sie sich auf. Spüren Sie es? Sehen Sie? So kann Ihr Augenkontakt gar nicht mehr nuscheln. Es ist vollkommen egal, an welcher Strippe Sie zuerst ziehen. Kopf, Herz, Bauch. Ziehen Sie einfach. Versuchen Sie etwas Neues. Üben Sie eine Sache. Der Rest kommt schon mit. Er kann gar nicht anders.

Also bloß nicht mehr: Das ist ja alles so kompliziert. Sondern: Das ist eigentlich ganz einfach. Das Eigentlich werfen wir dann beim nächsten Mal ab.

Bits and pieces

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Präsentieren bedeutet: Atmen, verständlich sprechen, seine Stimme finden, Pausen machen, zuhörergerecht denken, Geschichten erzählen, veranschaulichen, Choreographie Wort-Bild beachten, …

Vermutlich gibt es es kaum ein breiter gefächertes Gebiet. Die wirklich relevanten Aspekte werden sich nie ändern. Die neuen Bestseller von Duarte und Reynolds sind schön, interessant und wichtig. Aber sie basieren alle auf Erkenntnissen, die uralt sind: Menschen sind Geschichtentiere. Menschen sind Augentiere. Wenn es im Unterholz raschelt, drehe ich mich um. Wenn Sie piepsen oder klingen, als ob Sie sich für Ihren Namen schämen, höre ich weg. Da hilft auch der Nadelstreifenanzug oder die einstudierte Gestik wenig.

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Think!

I have just evaluated and graded some 20+ presentation exams, a few more to come next week. This is a busy time of year and a good time to rethink what works, and what does not.

Paper works.

During the planning stage of a talk, I love to use long strips of card board, those good old-fashioned Metaplan strips.

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»This has saved my life,« one of my students said today.

She is talented and smart, and tends to get lost in enthusiasm and ideas. A real Miss What’s-the-Point. In our pre-finals coaching we talked about choreography, beginnings, and endings. And planning on paper.

In her final talk, she is precise, to the point, yet has lost nothing of her vivid self. It is a pleasure listening.

Plan analog. Plan analog. Plan analog.

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I still plan every class, every seminar, every workshop that way, and as no one but yourself will ever see this, it does not matter what code you use, and if you mix up your languages, as I tend to. So for all my international readers: Bild means Image.

Green is for reserve ideas. As a young teacher I had to learn that by heart the hard way: You need a didactic reserve.  

[And boy, did I need one that day, back in 1989, during my teacher practice. I was teaching Medieval lyrics to a bunch of 16-year-olds and I just did not know how to go on and had to hand over to my supervisor.]

That was the day I learned to believe in reserves and back-ups. Some 20 years later I also believe in experience and creative thinking, but then that trust is nothing but another kind of hard-earned reserve.

So: Have another video, another game, another question up your sleeve. A reserve can be anything. It can be a flip chart in case the projector dies or if a video does not play. It can be going for coffee with your class if it is too hot to think.

Plan backwards.

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Good stories need good endings. Endings, on the other hand, are nervous, twitching cat tails with a life of their own.

So plan backwards: Where do you want your audience to be in 20 minutes? With you? Or gone for a mental walk? If your ending is wrong, you will need to start all over again.

Make ends meet.

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Make sure your beginning and ending is connected, related, one of a kind: Start with a question and end with an answer. Start with a problem and show the solution. Start with a quote and end on a counter-quote. There is always a counter-quote. You might even begin and end in silence. Have you ever tried that? Silence is a lovely shade of white…

Whatever you do, make sure your presentation is a whole, not a bag of wildly twitching ideas.

Connect. In all possible ways.

Connect ideas. Connect words and images. Connect with your audience. And not just because your teacher told you so.

Grades are for college. Connection is for real.

Does it ring a bell?

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»Ich habe die Paprika schon mal zum Käse geklebt,« sage ich zu meinem Biomann an der Kasse. Ich mag keine Zettel auf meinem Gemüse. Auch nicht auf meinem Finger oder dem Einkaufskorb. (So machen das nämlich hier die meisten Kunden.) Natürlich könnte ich die Paprikaschoten in eine Tüte und dann den Zettel auf die Tüte … aber man kauft ja Bio auch, um weniger Tüten.

Obwohl es inzwischen auch in meinem Bioladen von Plastik nur so wimmelt. Kennen Sie Sesamkrokant, einzeln bio-zellophanverhüllt?  Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte. Bleiben wir also bei Paprika und Käse.

»Vielen Dank,« sagt mein Biomann. »Macht zusammen 4,45.«

Erst als ich einpacken will, fällt ihm auf, das etwas nicht stimmen kann. Er nimmt die Finger zu Hilfe, murmelt Unverständliches (zwei Preise, drei Positionen?), Butter hatte ich auch, stimmt, mild gesäuert, 1,99, und dann ist alles klar, der Käse ist noch offen.

»Okay,« sage ich, zahle nach und lasse mir die Berichtserlaubnis geben, für meine Studierenden und für hier.

Und was genau haben nun Paprika, Butter und Käse mit Präsentationen gemein?

1. Aufmerksamkeit ist begrenzt. Reden Sie nicht dazwischen, wenn andere lesen. Das stört.

2. Aufmerksamkeit ist begrenzt. Wenn Sie mit dem Finger auf den Posten »Paprika« deuten, wird der Käse verhältnismäßig unsichtbar. Achten Sie also bei Folien darauf, dass das hervorgehoben ist, was wichtig ist. Malen Sie paprikarote Kringel um das, was zählt. Es zahlt sich aus.

3. Präsentieren lernen Sie auch im Bioladen. Oder an der Bushaltestelle. Präsentieren hat etwas mit Menschen zu tun.

4. Morgen Bilder mit dem Datum von heute zu benutzen ist immer schöner als Bilder von vorgestern. Andererseits bleiben Geschichten auch wahr, wenn man sie mehrfach erzählt. Relevanz hat nicht immer etwas mit dem Datum zu tun.

5. Was relevant ist, entscheiden Sie, indem Sie das Bild in den Kontext einer Geschichte stellen. Das Bild selber sagt nicht viel. Aufmerksamkeit ist begrenzt. Wenn ich auf einer Folie nicht weiß, worauf ich achten soll, achte ich im Zweifelsfall auf gar nichts. Sie könnten das Foto auch ganz weglassen. Aber mit ist so eine Geschichte natürlich immer gleich ein bisschen wahrer. Selbst wenn sie erfunden ist/wäre/sein könnte.

6. Geben Sie den Akteuren in Ihren Geschichten Farbe, Namen und Gesichter. Sagen Sie: Paprika und Käse, nicht: Lebensmittel.

7. Suchen Sie nicht nach mehr als sechs Gründen für eine Geschichte. Sechs Gründe sind mehr als genug. Schreiben Sie sie lieber auf, damit Sie sie nicht vergessen und überlegen Sie, was genau Sie damit sagen wollen. Eine Geschichte → eine Botschaft. Überfrachten Sie sie nicht. Sie ahnen es schon: Aufmerksamkeit ist begrenzt.