TEACH & TRAIN

Präsentieren bedeutet, mit Menschen zu sprechen.

Category: teacher talk

Körpersprache mal wieder

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Mal wieder so ein Posting irgendwo, und ich verlinke den Unsinn gar nicht erst, über Vortrag und Körpersprache und reibt euch bloß nicht am Kinn, denn das bedeutet ja Nachdenken oder Hängenbleiben …

Ach, Kinder. Nichts bedeutet (mehr) irgendwas. Alles deutet immer nur (noch) auf etwas hin. Und manches ist (für immer und ewig) vollkommen irrelevant.

Das ABC der Körpersprache ist keins. Außer bei Eichhörnchen. Ein Zeichen ist ein Zeichen aber noch lange kein Muster. Es gibt kein A = B. Es gibt nur Vermutungen: Wenn A *und* B, dann vielleicht C.

Und selbst wenn: Dann ist einer halt nervös. Dann ist eine halt schüchtern. Solange der Text Flügel hat und die Bilder singen, solange guckt doch sowieso keiner auf eure Hände oder Füße, weil euch alle nur zuhören.

Lasst doch die Körpersprachewörterbücher dort, wo sie hingehören.
In den 80ern.

  • Lernt lieber, in Körperspannung zu denken: seid präsent und wach.
  • Lernt lieber, mit eurer Stimme zu arbeiten. Stimme muss man üben. Stimme ist ein Wachmacherinstrument. Nur spielt es bitte nicht zu theatralisch.
  • Fangt an, in guten Text zu investieren. Guter Text ist Gold wert. Macht euch Vokabellisten, die euch dabei helfen. Schreibt euch Denkwörterbücher.

Übrigens: Ich darf beim Vortrag ruhig auch mal mhm sagen. Mhm heißt nur: Ich denke nach. Und ich darf auch beim Vortrag nachdenken. Sollte ich sogar. Unbedingt.

Denken ist ziemlich ok.

Die Mhms stören nur, wenn einer sonst nichts zu sagen hat. Erst dann fangen wir an, sie zu zählen. Und eure Tippfehler auf den übervollen Folien. Da hilft euch auch eure einstudierte Gestik nichts und euer Scheinwerfer-Dauergrinsen.

Back to basics

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Es muss nicht immer das ganz große Körper-Sprache-Drama sein. Wir brauchen auch nur selten das volle Hollywood’sche Farbspektrum. Uncanny Valley, anyone? Niemand muss auf der Bühne auf den Knien herumrutschen oder sich das Hemd vom Leib reißen. Auch das Publikum muss nicht ständig zum Mitmachen und munteren Händerecken aufgefordert werden.

Es reicht, wenn Ihr Text uns zum Mitdenken einlädt. Es reicht, wenn Ihr Text unsere Köpfe in Bewegung bringt, es reicht, wenn Ihr Text so singt und herzschlägt, dass Sie ihn uns eigentlich auch im Sitzen erzählen könnten: auf der Parkbank, im Café.

Fahren Sie die Show einfach mal ein bisschen runter.

Sie werden sich wundern, wie gut das allen tut.

Auch Ihnen selbst.

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Mythos Lernstile

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Wir wissen schon sehr lange, dass es sie nicht gibt, trotzdem glauben wir noch immer gerne an Lernstile oder Lerntypen. Weil es logisch klingt, weil wir oft genug selber das Gefühl haben, es sei so, wie wir glauben. Glaube aber ist Hoffnung und keine Realität und Gefühle sind keine Belege für etwas. Für die Theorie unterschiedlicher Lerntypen ist die Beweislage dünnstes, brüchiges Eis. Trotzdem ist sie eine beliebte Theorie, schon weil es bequem ist: Ich bin eben so. Ich bin ein visueller Typ, ich bin ein auditiver Typ ….

Aber ist das überhaupt relevant fürs Thema Vortrag?

Schon. Denn statt vergeblich zu versuchen, jedem Mimimi und Ichichich gerecht zu werden, werden Sie doch lieber dem Thema gerecht.

Nicht jeder Lerner braucht seine eigene Methode (visuell, kognitiv, haptisch, auditiv), sondern jedes Thema, jede Idee braucht die passende, beste Methode und Vermittlung.

Häufig genug wird das ein Bild sein, ein Infografik, manchmal aber auch eine Geschichte, und manchmal probiert man eben gemeinsam etwas aus. Fast immer ist konkret besser als abstrakt. Fast immer ist die Analogie der schnellste Weg. Das ist so ähnlich wie … Denn fürs Lernen gilt: Neues dockt gerne an Altem an. Wissen lebt nicht gern allein. Was ich schon weiß, was ich schon kenne, das macht mir den nächsten Verständnisschritt leichter.

Suchworte: Myth, learning styles/Mythos Lernstile, Lerntypen

Christian Jarret, WIRED, Januar 2015.

Sally Weale, Guardian, März 2017.

Stangl-Taller (dt.)

Deutschlandfunk, 2017

Dankeschön

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In jeder Sitzung schreiben Sie, meine Studierenden, fleißig mit, was Sie an den Vorträgen der anderen Vortragenden wahrnehmen. Und manchmal machen Sie aus der drögen Beobachtungsbrille, die ich Ihnen aufsetze (Verständlichkeit, Text, Bild, Choreografie, Struktur, Spannungsbogen, Lampenfieber …) so Schönes, dass ich immer wieder sehr dankbar bin, Ihnen ein Stück auf Ihrem Weg zum besseren Vortrag helfen zu können.

Dungeons & Dragons

VieleWege.pngHeute im Seminar am eigenen Input bewiesen, dass sich jeder seine eigene Botschaft bastelt, wenn wir sie nicht deutlich genug machen. Ich rede 20 Minuten, es ist auch ganz nett, sagen sie danach, als sie evaluieren dürfen. Aber ich lasse die Hauptsache aus. Ich sage ihnen nicht, worum es heute geht.

Es geht heute um alles ein bisschen. Es gibt so viele Möglichkeiten, einen Vortrag zu strukturieren. So viele mögliche Einstiege. Es ist so vieles wichtig. Der Spannungsbogen. Die didaktische Treppe. Der gemeinsame Nenner. Das COIK-Syndrom. Es sind unterhaltsame 20 Minuten. Es gibt Drachen und Feuerwerk. Aber erst als ich ihnen den Namen meiner Keynotedatei vorlese, sagen sie: Ach so! Obwohl es auch eine dedizierte Ach-so-Folie gab. Aber da kletterte gerade ein Männchen munter animiert die didaktische Treppe hoch und machte oben ein Selfie. Da geht so ein Ach so schon mal unter.

Alles macht Sinn, alles findet sich später auch in ihren eigenen Übungsvorträgen wieder. Ich kann immer wieder sagen: Das war wie bei mir vorhin. Alles war relevant. Aber ohne klare Richtung wissen wir nicht, worauf wir achten sollen. Und niemand kann 20 Minuten lang auf alles achten. Also achtet man auf das, was einem relevant erscheint.

Von allen Inputs im ganzen Semester sind diese 20 Minuten die wichtigsten. Denn ihr kritisches Feedback erfasst es richtig und gut, was nicht richtig und gut war: Jeder nimmt etwas anderes mit. Aber keiner alles und keiner meine eigentliche Botschaft. Die muss ich ihnen danach und im Sitzen und in aller Ruhe erklären.

Meine Datei heißt übrigens: Viele_Wege_kein_Ziel.key