TEACH & TRAIN

Präsentieren bedeutet, mit Menschen zu sprechen.

Category: coik syndrome

Experten unter sich

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Was steht da? 

Ist doch ganz klar.

Nein? Keine Ahnung? Dabei steht es da doch ganz deutlich. In Weiß auf Schwarz. Ich weiß genau, was da steht. Ich habe es ja auch geschrieben. Nur Sie können nichts lesen. Zugegeben, ich habe etwas nebulös mitstenografiert vorhin während Ihres Vortrags. Aber außer mir muss es sonst ja auch keiner lesen. Mir reicht es als Erinnerungsstütze für die Evaluation. Sie aber verstehen kein Wort.

Uns ging das vorhin bei Ihrem Vortrag übrigens ganz ähnlich, wir konnten Sie nicht richtig verstehen. Wir kannten das Wort für die japanische Schmiedetechnik nicht, von der Sie sprachen, außer diejenigen unter uns, die schon wussten, wovon Sie sprachen. Einige von uns konnten sich daher das Wort nicht einmal aufschreiben.

Wenn ich kein Bild von etwas habe, kann ich es mir nicht vorstellen. Wichtige Begriffe und Namen müssen Sie langsam und deutlich sagen und am besten deutlich anschreiben. Außer alle wissen schon, worüber Sie reden.

Und was steht da jetzt?

Das, worüber Sie sprachen: MOKUME GANE.

Jaja, das sehe ich auch. Aber was steht daneben?

Das, worüber ich gerade spreche: COIK. CLEAR ONLY IF KNOWN.

COIK #5 (mindestens)

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Schönes Beispiel für COIK (Clear Only If Known) aus der Word as Image-Sammlung.

Marcel Breuer ist Bauhaus. Der Mann hinter dem B3-Stuhl. Wassily anyone?

COIK. 

Word as Image beschreibt ihn einfacher: Breuer hat die Stahlrohrmöbel erfunden, die aussehen wie aus Fahrradlenkern gemacht und die zu einem modernen Möbelklassiker geworden sind.

Ach so!

Coik #4

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Tolles Material, die kleinen Aufsteller. Sehr leicht, trotzdem stabil.

Was haben Sie dafür benutzt? frage ich.

Es klingt wie Gutterirgendwas. Bilder steigen vor mir auf, von einem alten, finnischen Kiemenmesser, englischen Abflüssen, einer Steven-King-Geschichte … neinneinneinnein.

Wie bitte?, frage ich nach.

Katerirgendwas. Neue Bilder steigen auf. Schnurren, setzen sich auf den Tisch und werfen die handlichen Aufsteller um.

Wie bitte?, frage ich ein drittes Mal. Könnten Sie das bitte buchstabieren?

KAPPA, sagt er, leicht irritiert. K-A-P-P-A.

Ach so, sage ich. Kappa kenne ich. Wir sind beide sichtlich erleichtert, dass es so schnell ging.

(Kappa Alpha Psi. Der zehnte Buchstabe im Alphabet. Mathematische Krümmung. Ein Wasserwesen. Irgendwas mit Glukokortikoidrezeptoren, glaube ich. Kappa. Alles klar. Das kann ich mir merken. Das muss ich mir nicht mal aufschreiben. Das kann ich später genau so wiederfinden. Denn diese Platten will ich mir noch mal in Ruhe ansehen.)

Genau, sagt er, kann man leicht schneiden, Kappaleim. Oder so ähnlich. Ich frage nicht noch einmal nach, nach der fünften Frage wirkt man ja doch leicht dusselig oder schwerhörig oder beides. Vor allem ist man für immer gezeichnet als nicht vom Fach.

Bin ich ja auch nicht. Der Kappafachmann sind Sie. Ich schnitze nur Wörter, keine Leichtschaumplatten. Und weil das so ist, kann ich es nicht hören, bevor es einer aufschreibt oder ganz deutlich ausspricht. Oder assoziert.

Es mir merkwürdig macht.

Zuhause google ich »Kappaleim.« Nö. Kappa + Material.  Mhm. Kappa + Material + leicht zu schneiden. Ah. Ach soo! Kappa-Line. Line wie Sortiment, wie Linie; oder eben wie inline gefertigte Sandwichplatte.

Ich stöbere noch ein wenig, man kann offenbar auch Kapa schreiben, mal gucken, Trefferquote 46,000 : 7,000,000, keiner weiß, warum, mhm, interessant, aber darum geht es jetzt nicht. Es geht wie immer darum, dass ich eine Information nur mitnehmen kann, wenn ich sie mir gehört.

COIK. Clear only if known.

(To be continued. Most definitely. In welcher Sprache auch immer.)

Können Sie es zeichnen?

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Können Sie es zeichnen?, frage ich immer wieder, nach jedem Probevortrag, nach jedem Übungssatz.

Die Antwort ist leider viel zu oft Nein.

Wenn mein Bild nicht zu Ihrem Film wird: schade.

Wenn meine Ideen nicht zu Ihrer Erinnerung werden: schade.

Wenn ich Ihnen die Relevanz meiner Ideen nicht klarmache: schade.

Wenn meine Signature-Cat für Sie aussieht wie ein Schwein: schade. Für beide Seiten.


Sie sind der Kontext.

Wenn Sie sagen: dies ist eine Katze, ist es eine Katze.

Wenn Sie laut und rot sagen: dies ist wichtig, ist es wichtig.

Wenn Sie nur glauben; kindlich, illusorisch, ich-bezogen, dass alles ganz klar und ganz einfach ist.

Dann ist es nur COIK. Clear only if known. 

Und Sie stehen einsam in Ihrer Expertenecke und merken es nicht. Schade.

PS: Das oben ist eine Katze. Schweine haben völlig andere Ohren.

COIK #3: Big black box

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Nein, ich weiß nicht, was Sie mir sagen wollen. Alle Ihre schönen, klugen Ideen sind für mich zunächst nichts anderes als eine

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Was drin ist, wissen nur Sie. Und wenn Sie mir nicht transparent und deutlich machen, worum es (Ihnen) geht, bin ich nach Ihrem Vortrag nicht viel schlauer als vorher. Ich sitze dann leider immer noch im 

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Selbst wenn Sie mir

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mitgebracht haben, nützt uns das beiden nichts, solange Sie mir nur ungeordnete Fakten entgegenschleudern. Nein, leider ist das nicht alles ganz einfach. Ich weiß nämlich nicht, worum es geht. Sie schon. Ich bin aber nicht Sie. Ich kann nicht in Ihren Kopf schauen. Ich kann Ihnen nur zuhören. Oder es zumindest versuchen. Leicht machen Sie es einem nicht.

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Ich weiß nämlich nicht, was von all dem wichtig ist, bis Sie es mir sagen. Helfen Sie mir doch bitte ein wenig. Entrümpeln Sie etwas. Es kann doch nicht alles wichtig sein. Es kann doch auch nicht alles gleich wichtig sein. Könnte ich nicht einiges davon später in aller Ruhe nachlesen?

Worum geht es Ihnen denn eigentlich? Was von all dem soll ich behalten und mitnehmen? Was muss sich ändern? Muss ich mich ändern? Oder Sie?

Ah, es geht Ihnen um die Fakten, sagen Sie. Schön. Danke, dass Sie sich das nicht bis zuletzt aufgehoben haben. Fakten sind immer gut. Jetzt verstehen wir uns schon etwas besser. Ich ahne, was Sie vorhaben.

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Aber Sie wissen schon, dass Faktenwissen alleine selten merkwürdig genug ist.

Und dass Wissen alleine nichts ändert. Oder?

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