TEACH & TRAIN

Präsentieren bedeutet, mit Menschen zu sprechen.

Category: delivery

Wake me up, before I go-go

1-IMG_6678.JPGWACH ist ein gutes Vortragswort. Oder zwei.

Immer da, wo wir ACH sagen, sind wir nämlich WACH und bei der Sache.

Alles Gute für die Projektstudien diese Woche!

Nuts & Bolts

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Es ist wie mit den Nüssen und den Eichhörnchen, sage ich.

– Kurze Pause. Offensichtliche Denkpause. –

Was genau meinen Sie damit?, fragt Student A. Was ja auch schon mal mutig ist.

Euch, sage ich. Sie. Uns. Alle.

Wir wollen immer etwas mitnehmen aus dem Vortrag. Etwas nur für mich. Eine URL, einen Namen, einen Rat, ein Rezept. Den Artikel, den ich Ihnen heute empfohlen habe, werden sich drei von Ihnen ansehen. Das darin erwähnte Video dazu vielleicht einer. Die Info selber aber wollten alle. So gehen wir auf eine Messe: Wir kommen mit einer Tüte voll Infomaterial nach Hause, das wir uns nie ansehen werden. Aber wir sind glücklich. Wir empfehlen die Veranstaltung weiter.

Und wir kommen wieder: Denn es gab Häppchen. Nur für uns!

Körpersprache mal wieder

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Mal wieder so ein Posting irgendwo, und ich verlinke den Unsinn gar nicht erst, über Vortrag und Körpersprache und reibt euch bloß nicht am Kinn, denn das bedeutet ja Nachdenken oder Hängenbleiben …

Ach, Kinder. Nichts bedeutet (mehr) irgendwas. Alles deutet immer nur (noch) auf etwas hin. Und manches ist (für immer und ewig) vollkommen irrelevant.

Das ABC der Körpersprache ist keins. Außer bei Eichhörnchen. Ein Zeichen ist ein Zeichen aber noch lange kein Muster. Es gibt kein A = B. Es gibt nur Vermutungen: Wenn A *und* B, dann vielleicht C.

Und selbst wenn: Dann ist einer halt nervös. Dann ist eine halt schüchtern. Solange der Text Flügel hat und die Bilder singen, solange guckt doch sowieso keiner auf eure Hände oder Füße, weil euch alle nur zuhören.

Lasst doch die Körpersprachewörterbücher dort, wo sie hingehören.
In den 80ern.

  • Lernt lieber, in Körperspannung zu denken: seid präsent und wach.
  • Lernt lieber, mit eurer Stimme zu arbeiten. Stimme muss man üben. Stimme ist ein Wachmacherinstrument. Nur spielt es bitte nicht zu theatralisch.
  • Fangt an, in guten Text zu investieren. Guter Text ist Gold wert. Macht euch Vokabellisten, die euch dabei helfen. Schreibt euch Denkwörterbücher.

Übrigens: Ich darf beim Vortrag ruhig auch mal mhm sagen. Mhm heißt nur: Ich denke nach. Und ich darf auch beim Vortrag nachdenken. Sollte ich sogar. Unbedingt.

Denken ist ziemlich ok.

Die Mhms stören nur, wenn einer sonst nichts zu sagen hat. Erst dann fangen wir an, sie zu zählen. Und eure Tippfehler auf den übervollen Folien. Da hilft euch auch eure einstudierte Gestik nichts und euer Scheinwerfer-Dauergrinsen.

Back to basics

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Es muss nicht immer das ganz große Körper-Sprache-Drama sein. Wir brauchen auch nur selten das volle Hollywood’sche Farbspektrum. Uncanny Valley, anyone? Niemand muss auf der Bühne auf den Knien herumrutschen oder sich das Hemd vom Leib reißen. Auch das Publikum muss nicht ständig zum Mitmachen und munteren Händerecken aufgefordert werden.

Es reicht, wenn Ihr Text uns zum Mitdenken einlädt. Es reicht, wenn Ihr Text unsere Köpfe in Bewegung bringt, es reicht, wenn Ihr Text so singt und herzschlägt, dass Sie ihn uns eigentlich auch im Sitzen erzählen könnten: auf der Parkbank, im Café.

Fahren Sie die Show einfach mal ein bisschen runter.

Sie werden sich wundern, wie gut das allen tut.

Auch Ihnen selbst.

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Mythos Lernstile

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Wir wissen schon sehr lange, dass es sie nicht gibt, trotzdem glauben wir noch immer gerne an Lernstile oder Lerntypen. Weil es logisch klingt, weil wir oft genug selber das Gefühl haben, es sei so, wie wir glauben. Glaube aber ist Hoffnung und keine Realität und Gefühle sind keine Belege für etwas. Für die Theorie unterschiedlicher Lerntypen ist die Beweislage dünnstes, brüchiges Eis. Trotzdem ist sie eine beliebte Theorie, schon weil es bequem ist: Ich bin eben so. Ich bin ein visueller Typ, ich bin ein auditiver Typ ….

Aber ist das überhaupt relevant fürs Thema Vortrag?

Schon. Denn statt vergeblich zu versuchen, jedem Mimimi und Ichichich gerecht zu werden, werden Sie doch lieber dem Thema gerecht.

Nicht jeder Lerner braucht seine eigene Methode (visuell, kognitiv, haptisch, auditiv), sondern jedes Thema, jede Idee braucht die passende, beste Methode und Vermittlung.

Häufig genug wird das ein Bild sein, ein Infografik, manchmal aber auch eine Geschichte, und manchmal probiert man eben gemeinsam etwas aus. Fast immer ist konkret besser als abstrakt. Fast immer ist die Analogie der schnellste Weg. Das ist so ähnlich wie … Denn fürs Lernen gilt: Neues dockt gerne an Altem an. Wissen lebt nicht gern allein. Was ich schon weiß, was ich schon kenne, das macht mir den nächsten Verständnisschritt leichter.

Suchworte: Myth, learning styles/Mythos Lernstile, Lerntypen

Christian Jarret, WIRED, Januar 2015.

Sally Weale, Guardian, März 2017.

Stangl-Taller (dt.)

Deutschlandfunk, 2017