TEACH & TRAIN

Präsentieren bedeutet, mit Menschen zu sprechen.

Nuts & Bolts

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Es ist wie mit den Nüssen und den Eichhörnchen, sage ich.

– Kurze Pause. Offensichtliche Denkpause. –

Was genau meinen Sie damit?, fragt Student A. Was ja auch schon mal mutig ist.

Euch, sage ich. Sie. Uns. Alle.

Wir wollen immer etwas mitnehmen aus dem Vortrag. Etwas nur für mich. Eine URL, einen Namen, einen Rat, ein Rezept. Den Artikel, den ich Ihnen heute empfohlen habe, werden sich drei von Ihnen ansehen. Das darin erwähnte Video dazu vielleicht einer. Die Info selber aber wollten alle. So gehen wir auf eine Messe: Wir kommen mit einer Tüte voll Infomaterial nach Hause, das wir uns nie ansehen werden. Aber wir sind glücklich. Wir empfehlen die Veranstaltung weiter.

Und wir kommen wieder: Denn es gab Häppchen. Nur für uns!

Every word a doorway

Jedes Wort eine Tür, eine Welt. Und ihr müsst uns an die Hand nehmen und uns zeigen, was für eine Welt das ist. Um jede Wortsonne kreisen Wortplaneten: Assoziationen. Jedes Wort bringt außer seiner Bedeutung auch eine mitgedachte Wertung mit sich. Apfel wirft das freundlichste Licht. Wir nennen das in der Semantik Konnotation.

Einfacher gesagt: Jedes Wort malt ein Bild in die Köpfe. Manche einen Film.

Manchmal auch mit Musik.

Und weil das so ist, müsst ihr immer genau das sagen, was ihr meint.

Skurril ist nicht dasselbe wie bizarr oder schräg. Ein Köter noch lange kein Hund. 

Was sehen Sie, wenn ich »Buckel« sage?

Genau. Sie sehen rund, weich, eine Wölbung, einen Buckelwal vielleicht oder eine Katze, je nachdem, wie Ihr Kopf tickt, oder auch einen Erdhügel. Hügel ist sehr nah dran an Buckel, der Glöckner von Notre Dame aber auch. Der kleinste gemeinsame  Nenner ist in jedem Fall eine halbwegs weiche Linie.

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Wenn Sie aber wollen, dass ich dieses Ihr neuestes Lampendesign begreife und mir vorstellen kann, dann ist Buckel der Weg ins Aus.

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Denn jetzt muss ich ganz weit weg von weich und rund und Hoppelhäschen. Ich brauche klare Linien, Flächen, Kanten, Falze, Dreiecke, Facetten, streng geometrische Formen, Polygone vielleicht, aber vor allem Origami. Das hier ist vermutlich der kleinste gemeinsame Nenner. Origami verstehen alle. Auch die, die nicht wissen, was Polygone sind.

Der AHA-Effekt

AHA-Effekt.jpgDas neue Buch von Michael Gerharz ist sehr schön geworden, ein richtiges Anfassbuch, ein Mitdenkbuch, ein Buch, in das man Ideen und Fragen schreiben kann, ein Workshopbuch fürs Selbst und den nächsten Vortrag. Ein Buch, das zum Denken und Umdenken anregt. Es kommt unbedingt in meinen Handapparat für meine Studierenden zum Ausleihen. Obwohl es vielleicht für Vortragende, die schon im Beruf sind, noch einen Hauch sinnvoller und wichtiger ist.

Es geht nicht um Technik oder Atemübungen. Nicht einmal um Hörtext oder Vokabellisten. Es geht darum, was auch ich seit Jahren predige: Präsentieren bedeutet, mit Menschen zu sprechen. 

Und deshalb steht das auch auf den letzten Seiten. Danke schön dafür!

Ich durfte beim ersten Entwurf mit hineinsehen und das ein oder andere Ja, aber einstreuen. Viele waren es nicht.

Ich bin gerade sehr froh, besonders in diesem meinen Jubiläumsjahr, zu sehen, dass die neue, junge Generation von Präsentationstrainern Lichtjahre von dem entfernt ist, was das Präsentationsland oft so unerträglich und trostlos macht:

Aufgesetzte Show, einstudierte Gestik, Rhetorik von der Rolle. Sich selbstbeweihräuchernde Ego-Shooter-Vortragende. Ein Publikum, das schon mit dem ersten Satz nicht gemeint ist.

Der AHA-Effekt richtet sich gegen all das: Denkt von der Zuhörerseite. Redet für andere, nicht für euch selbst. Bringt es auf den Punkt! Kümmert euch um euer Publikum.

Es ist ein Konzept-Buch. Ein ganz wichtiges, wie ich finde.

Das ganze Buch in einem Satz? Werdet Küchenzurufsmeister!

My Leica is not your Leica

Die junge Vortragende spricht über ihren Weg in die Soziale Arbeit. Schon mit 14 hatte sie eine Leica. Und ab da war alles anders.

Auch bei mir ist ab da alles anders. Denn ich habe keine Leica. Ich hätte aber sehr gerne eine Leica. Andererseits ist eine Leica für Krähenporträts vielleicht nicht das perfekte Werkzeug. Aber das Licht! Aber was, wenn ich unterzuckere und die Leica fallenlasse? Meine alten Kameras sind alle blutverschmiert und erdnussstaubig. Gestern erst …

Wie bitte? 

Ach so! Die junge Vortragende gibt gerade ihre Leica herum.

Es ist nur keine.

Denn es ist, wie es so oft ist beim Vortrag, und man hat sich verhört, weil man einen Begriff oder eine Abkürzung nicht kennt oder nicht genau versteht .

COIK: clear only if known.

Und schon ist man auf seiner ganz eigenen Reise, weil Köpfe immer ihre eigenen Abkürzungen suchen, wenn ihr uns nicht an die Hand nehmt.

Ach so, sage ich. Eine JULEIKA. Eine Jugendleiterkarte.

Ich bin fast ein wenig enttäuscht und denke an die Leica, die einer jungen Journalistin, die ich sehr schätze, erst vor wenigen Tagen gestohlen wurde und die ihr soziales Netz so wunderbar unterstützt hat. Jetzt habe ich auch einen winzigen Anteil an einer Leica. Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte. Meine, nämlich.

Damit ich Ihre Geschichte besser verstehen und hören kann, müssen Sie sie mir einen Hauch deutlicher formulieren und erzählen: Hier entlang. Komm! Jetzt nicht zum Fotografieren, sondern zur Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.

Herzensangelegenheit Text

– JUBILÄUMSAUSGABE WINTERSEMESTER 2017 –

»Präsentieren bedeutet, mit Menschen zu sprechen.«

  1. Investieren Sie in Hörtext. Hörtext ist Klartext. Hörtext ist Radio.
  2. Verstecken Sie sich nicht hinter akademischem Wortmüll oder unbeholfenem, kindlichem Geplapper. Verständlichkeit ist Menschenrecht.
  3. Wissenschaft und Verständlichkeit schließen sich nicht aus. Die staubige Wissenschaft sind Sie. Ihr Text darf atmen.
  4. Verstecken Sie die Menschen und Ideen, über die Sie reden, nicht hinter leeren Floskeln und toter Paragraphensprache.
  5. Mehr Aktiv! Das Passiv ist ein kleiner Elefant.
  6. Weniger Schachtelsätze. Kommata leben von und auf Papier. Twittern Sie! Kommen Sie deutlich früher auf den Punkt: Ein Gedanke  – ein Handschlag.
  7. Wie? Sie kennen keine Konjunktionen?
  8. Reden Sie der Sache angemessen. Den Menschen angemessen.
  9. Kürzer, klarer, präziser, anschaulicher, farbiger, lebendiger.
    Adjektive sind ausgesprochen ok. Wir machen Radio, nicht Print!
  10. Text kann tanzen und fliegen. Wenn Sie ihn lassen. Versuchen Sie es einfach einmal. Er wird es Ihnen danken. – Wir auch.