TEACH & TRAIN

Präsentieren bedeutet, mit Menschen zu sprechen.

Kategorie: slides

seufz

»Was schreibt man denn auf die letze Folie, wenn nicht Danke für Ihre Aufmerksamkeit?«, fragt ein Experte den anderen in einem Forum.

Seufz. Die Frage selbst ist ja schon falsch gestellt. Wir schreiben gar nichts auf die letzte Folie. Außer vielleicht ein kurzes Zitat.

Wir zeigen besser etwas. Etwas, das alles zusammenfasst, an den Anfang anknüpft, alles auf den Kopf stellt (Hä? Wie bitte?), Atmosphäre schafft, für einen Moment stumm macht, die Köpfe noch mal schüttelt, zum Fragen einlädt. Wir zeigen das, was passt, stimmt, fehlt. Und lassen es stehen für die Diskussion danach. Wir schreiben kein Fragezeichen, kein Danke (Zuhören haben Sie sich verdient oder nicht), kein Gute Fahrt, kein Metadingens. Die letzte Folie ist fast noch wichtiger als die erste. Machen Sie was draus.

Die allerletzte Folie ist die mit den Quellenangaben. Aber die zeigen wir nicht. Wir haben sie nur.

Letzte Woche, diese Woche, jede Woche

01-IMG_7648Wenn Sie nie jemanden gezielt mitschreiben und beobachten lassen, wenn Sie nach einem Vortrag nie nachfragen, was gestört und was geholfen hat, und vor allem, was die eine klar gehörte Botschaft ist, verschenken Sie eine von drei Chancen, die Sie haben, besser zu werden oder gut zu bleiben. Das Instant Audience Feedback. (Die beiden anderen Möglichkeiten sind Videoaufnahmen und eine gute Beratung.)

Wenn am Ende alle Studierenden sagen, es war ok, haben Sie verloren. OK ist immer schlecht. Entweder traut sich keiner, Ihnen die Wahrheit zu sagen, wegen der Noten zu Semesterende, oder es war so schlimm, dass alle höflich schweigen. Verloren haben Sie in jedem Fall. Menschlich und fachlich.

Mal sehen. Also. Schreibt, malt, scribbelt, zeichnet bitte alle mit. Be my camera.

Los geht es mit der Ansage, dass ich 48 Folien in 45 Minuten. Das ist der Killersatz. Wer den nicht im Bauch spürt, ist ein Zombie.

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Alle Stolperfallen, die ich heute einbaue, sind eigentlich laut und klar: Es sind deutlich ein paar Folien zu viel, eine ist viel zu detailliert, um auf einen Blick erfasst zu werden, eine Geschichte ist redundant, eine zu weitschweifig. Ganz klar hingegen müsste die inhaltliche Kernbotschaft sein: Weniger ist mehr. Die gestalterische Unterbotschaft: Kreise sind cool. Farbchoreografie und erkennbare Abschnitte sind auch cool. Trotzdem bleiben nur 5 von 7 Aspekten  hängen. Reicht. 5 von 7 ist schon ziemlich cool.
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Katzen sind auch cool, natürlich. Wobei Katzen in diesem Vortrag das Symbol für Störungen sind. Katzen wissen genau, was ich damit meine. Wäschestapel. Zu früh verschickte Mails. Und die alte VHS-Kassette von Pride & Prejudice (BBC, the one and only), bei der im Heiratsantrag des Pastors der dicke Maxx sich auf die Fernbedienung setzte und seitdem leider ein NDR-Beitrag über Herpesviren … Im Heiratsantrag.  Egal. Das war vor Blu-Ray und nicht-bufferndem Streaming, Kinder, und ist damit fast schon nicht mehr relevant und somit eher redundant.

(Diese beiden Begriffe kommen nächste Woche noch mal intensiv dran, aber Studierende lesen nur selten vorab. Gell?)
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Was man auch immer wieder lernt: Sie können es nie allen Recht machen. Der eine, der analytischste in der Runde, versteht die superlustige Detailfolie mit körpersprachlichen Skizzen von 25 gestressten und entspannten Hunden, weil er sich auf meine grafische Hervorhebung konzentriert, die andern verlieren sich im Entdecken. We almost all get lost in detail. 
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Klar wird auch, dass meine ungeliebten Zielsatzvordrucke helfen. Aber das wusste ich vorher schon. Man sieht fast alles, an so einem Zielblatt. Auch vorher schon.
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»Ich will begeistern«, ist kein hinreichend konkretes, umsetzbares persönliches Ziel. Und wenn Sie so einen wunderbaren Einstiegssatz auf einer Folie mitbringen wie »Architektur bedeutet, für Menschen zu bauen«, dann arbeiten Sie doch damit. Vergeuden Sie ihn nicht. Quetschen Sie diese Folie aus wie eine Zitrone. Huschen Sie nicht drüber hinweg. Um diesen Satz geht es doch in den nächsten Minuten. Und nur darum. Den Kundennutzen des Ateliers, das Sie bauen wollen.
10-IMG_7642»Ich will euch zeigen, warum mich die Radierung in ihrer Vielfalt so begeistert«, schon sehr viel eher. Und weil das auch genau so funktioniert, ist die Hauptsorge, klein und schüchtern zu wirken, ab jetzt keine mehr. Überhaupt keine mehr. Wir lieben Begeisterung, die ansteckt. Wir lieben aber auch und vor allem verständliche, freundliche Substanz zum Anfassen.

Warum oben auf der einen Mitschrift ALMI steht, weiß ich nicht.  Manches bleibt ein Geheimnis.

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Danke an alle fürs Aufpassen und Mitmachen und Mitschreiben und vor allem für die vielen Katzen!

Never before

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Das ist die Stelle im Immersion Room, an der ich laut seufze. Huddle Puddle.
»PowerPoint: It has never been seen like this before.«

Doch, Kinder. Genau so. Seit 25 Jahren sehen wir zentrierten, abstrakten Text in weiß auf rot.

Da geht noch bisschen was, optisch und didaktisch. Gell?

To do, or not to do

SoNicht.001Einer der vielen Gründe, die gegen Folientemplates sprechen ist, dass eine Vorlage nie flexibel reagieren kann. Sie kann schön sein, sie kann stylish sein, sie kann das Corporate Design aufnehmen.

Und dann meldet sich die Realität.

Realität 1: In dem Raum, in dem Sie arbeiten sollen, hängt die Deckenbeleuchtung sehr tief. Ihre Vorlage ist so angelegt, dass das obere Drittel für die Headline gedacht ist. Tiefe Lampen: Keine Headline. Die hinteren Reihen sehen nichts. Also richten Sie den Projektor mit viel Mühe so ein, dass er so tief wie möglich leuchtet.

Realität 2: Jetzt werden die Menschen, die dem Beamer gegenüber sitzen und reden sollen, geblendet. Das wollen Sie nicht.

Realität 3: Sie räumen Stühle um. Es gibt eine Zahnlücke.

Realität 4: Die Schrift ist zu klein. Jedenfalls in diesem Raum, mit diesem Setup. Wenn ein Drittel der Folie als Arbeitsfläche fehlt, ist das auch kein Wunder.

8-Punkt-Schriften gehen nicht einmal mehr für Print oder Web. Das war einmal. 8-Punkt-Schriften sind aber noch immer ein feuchter Designertraum. Und ein didaktischer Alptraum. Heute wissen wir es besser. Trau keiner unter 30!

Realität 5: Beim nächsten Mal machen wir manches anders. Gell?

Nutzen Sie die ganze Folie. Lassen Sie ein Layout zu, aber lassen Sie nicht zu, dass das Layout den Inhalt einengt. Man muss nicht unbedingt mit ganzflächigen Fotos arbeiten. Zeichnungen und Grafiken tun es auch. Auch so bekommen Sie Ihr CD/CI hin. Quetschen Sie Informationen nicht in einen visuellen Rahmen. Sei er auch noch hübsch!

»Wir hören die Wörter, die wir lesen

Und deshalb, deshalb, deshalb nützt es nichts, gar nichts, wirklich überhaupt nichts, bei einem Livevortrag auf Textfolien zu setzen. Es sei denn, Sie halten dabei wenigstens den Mund. Oder folientexten nur häppchenweise.

ARTE TV. Wie unser Hirn lesen lernt.
Gerade recht zum Semesteranfang.

Erstausstrahlung:
Do, 21. März 2013, 22:15

Letzter Ausstrahlungstermin:
Donnerstag, 11. April 2013, 11:10