TEACH & TRAIN

Präsentieren bedeutet, mit Menschen zu sprechen.

Kategorie: planning

Two in one; undone

IMG_3758Passen Sie auf, dass Sie nicht versuchen, mehr als einen Vortrag auf einmal zu halten. Sie haben nur fünf Minuten.

Worum geht es also? Und worum geht es wirklich?

Dieses Posting gibt es eigentlich nur, weil ich den Probelaserklotz nicht wegwerfen wollte. Ab jetzt hat er Relevanz. Und hätte ich es nicht erzählt, würde alles wie von langer Hand geplant wirken. Manches muss man nicht planen; es findet sich einfach. Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte. Und die wäre besser ein eigenes Posting.

See what I mean?

Move it

Interaktive PDFs mucken gerne, wenn es um das Einbetten von Videos geht. Es ist bedingt unterhaltsam, wenn man die Datei jedes Mal neu starten oder das Video zurückspulen muss, um es von Anfang an abzuspielen. Das macht – weil man es im Prüfungsstress manchmal einfach vergisst –  keinen großen Spass. Man prüft, ob die Datei läuft, ob der Ton stimmt, und dann beim Vortrag läuft gar nichts, außer Schweiß und Tränen.

Eine Alternative: Moderne Projektoren verfügen über einen Split-Screen-Mode und reichlich Anschlüsse. Schnarchnasenbeamer mit gerade mal einem VGA-Anschluss sterben ganz langsam aus. Selbst an Hochschulen.

Ich kann also an einem Projektor zwei Quellen parallel anschließen und zeigen.

Links eine (beliebige) Präsentationsdatei (in meinem Fall immer Keynote), rechts ein Video auf einem iPad im Vollbildmodus. Natürlich kann man Videos in Keynote ganz unkompliziert einbetten und abspielen, aber bei vielen externen Prüfungen müssen meine Studierenden ein PDF auf einen Fremdrechner ziehen. Bei vielen externen Pitches heißt es: PDF oder PowerPoint. Das ist verständlich, weil es den Organisatoren deutlich weniger Umstände macht. Nur die Vortragenden sind dadurch mehr eingeschränkt.

Videos in PowerPoint-Dateien mucken allerdings auch gerne, weil sie sich – sofern sie auf Klick starten sollen – oft genug nicht mit einer Fernbedienung starten lassen. Das kommt ein wenig darauf an, welche Version und was einer für Einstellungen vorgenommen hat.

Ausweg: Eine statische Folie mit einem Still aus dem Video vor die Folie mit dem Video einfügen, oder eine nur mit dem Titel, oder eine schwarze Folie, etwas, zu dem man sprechen kann und das Video ankündigen. Das Video dann automatisch starten lassen. So behält man Kontrolle und Nerven.

Prezi, das ich immer  noch nur bedingt empfehle, ist für Videos auch eine schöne Lösung, weil man sie auf der infinite canvas wie Ostereier verstecken kann, bis man sie braucht. Mit der Magic Mouse von Apple kann man das dann sehr schön und smooth steuern.

Aber wie gesagt: Solange es den Zwang zur Abgabe einer PDF-Datei gibt, nützt einem die ganze schöne neue Welt wenig.

[Nächstes Thema im Kopf: Streaming Sticks für unterwegs. Vielleicht wird damit einiges besser. Mal sehen.]

 

Eigentlich …

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Eigentlich ist alles ganz einfach. Eigentlich wissen wir alle, wie Vortrag geht.

Eigentlich …

Aber dann kommt die Aufregung dazwischen, die Zeit, die Technik, alles mögliche, die alte Angst, die Vorstellung, sie könnten uns nicht mögen, die anderen; und vor allem das viele Gerede übers Präsentieren. Du musst … Nein, du musst …  Versuch doch mal …

Präsentieren bedeutet … und Sie wissen schon, was jetzt kommt.

Was immer kommt. Präsentieren bedeutet, mit Menschen zu sprechen.

Alles andere ergibt sich daraus.

Weil es stimmt. Ein bisschen gesunder Menschenverstand reicht. Sie wissen, wie Film geht. Sie wissen, wie Story geht. Sie wissen es, weil Sie genau spüren, wenn ein Vortrag Sie nicht mitnimmt, nicht am Ärmel zuppelt und flüstert: Komm mit! Ich zeig dir was!

Klammern Sie sich nicht so viel an Regelwerk. Lernen Sie keine Ich-muss-Listen auswendig. Jeder Vortragende ist anders, jeder kann und darf anders sein. Was für Schenkelklopfer und Bühnenhengste funktioniert (meist sehr viel weniger, als sie selber glauben), funktioniert für die Stillen und Leisen unter uns nie.

Finden Sie Ihre eigene Stimme, Ihren eigenen Stil. Kopieren Sie niemanden. Lesen Sie nicht: Präsentieren wie Steve Jobs. Auch nicht: Präsentieren wie Anke Tröder. Schreiben Sie lieber Ihr eigenes Buch: Präsentieren wie mein bestes Ich.

Ich versuche hier mal alles, was ich weiß und woran ich glaube beim Vortrag (Präsentieren bedeutet, mit Menschen zu sprechen) in fünf Unterpunkte zu fassen.

  1. Vergessen Sie das mit dem einzig wahren Ziel. Ziele sind wichtig, Landkarten und Richtungen sind besser. Dann kann man auch mal einen Schritt zur Seite, ein bisschen mäandern, abweichen, solange die Zeit das erlaubt. Zielsätze wiederum sind hilfreich. Die Story to go. Worum gehts? Was soll ich mitnehmen? Geht das in einem Satz? Für einen Gründerpitch muss das knackiger sein als für ein 15-Wochen-Seminar oder einen Wochenend-Workshop.
  2. Denken Sie. Denken ist eine altmodische, unterschätzte Tugend. Denken Sie laut. Mit uns. Das ist Vortrag. Denken Sie im Stehen, im Sitzen, auf dem Kopf, in einem Sessel, hinter dem Pult, neben dem Pult. Hauptsache, Sie denken laut und reden Hörtext. Schwätzen Sie nicht. Außer, Sie werden fürs Schwätzen bezahlt. Kommen Sie zum Punkt. Manche Vorträge lieben wir, weil sie nie zum Punkt kommen. Andere nicht. Vieles hängt einfach davon ab, ob wir uns auf Sie einlassen wollen. Machen Sie es uns einfach, Sie zu mögen. Reduzieren Sie vorher, was hinterher nicht reinpassen wird. Spielen Sie Game of Thrones mit Ihrem Vortrag. Kill your darlings. Sie wissen doch eigentlich, dass Sie zu Punkt 10 nicht kommen werden. Basic Instinct 101.
  3.  Fangen Sie an. Fangen Sie jetzt an. Fangen Sie damit an, was alle kennen. Fangen Sie dort an, wo schon alle sind. Auf der untersten Stufe der didaktischen Treppe. Beim kleinsten gemeinsamen Nenner. Bei der gemeinsamen Vision. Hauptsache, Sie fangen an. Reden Sie nicht lange darüber, was Sie tun werden. Tuns Sies einfach. Verlieren Sich nicht in Meta-Geschwatz. Außer, Sie werden genau dafür bezahlt.
  4. Bewegen Sie uns. Unsere Köpfe, unsere Herzen. Bitten Sie uns nicht, aufzustehen und Kniebeugen zu machen, wenn Sie uns nicht kennen. Erzählen Sie uns lieber was. Tell me a story, sing me a song: In all likelihood I will tag along. (Nein, das kann ich nicht übersetzen, das wollte Englisch sein.) Laden Sie uns ein mitzudenken, Fragen zu stellen. Auch laut. Bringen Sie uns Antworten mit auf Fragen, von denen wir nicht wussten, dass wir sie haben. Denken Sie in Spannungsbögen und Wachmachern. Dann kommen wir gerne mit. Auch längere Strecken.
  5. Hören Sie auf, wenn der Vortrag zu Ende ist. »Und sie lebten halbwegs zufrieden bis an ihr Lebensende« ist ein besserer Schluss, als »Ich glaube, die Zeit ist um.« Ein guter Schluss macht selbst einen schwachen Einstieg rückblickend gut. Primacy & Recency rule. Fragen Sie bloß nicht, ob jemand noch Fragen hat. Nicht alle stehen gerne auf und melden sich vor hundert anderen Fremden. Wenn Sie eine Diskussion wollen, bringen Sie lieber selber noch einen Denkanstoß mit oder schreiben Sie dem Moderator etwas auf sein Kärtchen. Haben Sie eine didaktische Reserve, für den Fall, dass noch Zeit ist. Oder doch einer was fragt. Oder der Strom ausfällt. Oder ein Adapter fehlt. Oder sonst was ist. Irgendwas ist eigentlich immer, wenn Vortrag ist. Versuchen Sie, Anfang und Ende miteinander zu verknüpfen. Machen Sie eine runde Sache draus. Sie können das. Eigentlich.
  6. Nein, zu Folien muss man nichts sagen. Folien sind kein Vortrag. Folien sind Hilfsmittel. Wie Rednerpulte. Man braucht sie seltener, als man denkt. Ist der Vortrag gut, hält man auch schlechte Folien aus. Sind die Folien toll, machen sie einen schlechten Vortrag nicht besser, nur erträglicher, weil wir was zu gucken haben. Meistens gucken wir dann aber ins Smartphone. Sieht ja keiner. – Eigentlich.

 

 

 

The magic, and then some

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Wir (vor allem ich) reden zur Zeit viel vom Verzaubern in den Gründungscoachings und Seminaren. Verzaubern, nicht verkaufen!, predige ich andauernd. Dabei müssen wir (vor allem Sie) aufpassen, dass unsere Magie nicht zum reinen Hokuspokus verkommt, zu heißer Luft. Die eigene Begeisterung trägt nicht immer alles. Im Gegenteil. Manches macht sie uns kaputt, weil wir vor lauter Begeisterung übersehen, dass wir eigentlich nur mit uns selber reden. Weil wir nicht an die Fragen in den Köpfen unserer Zuhörer, der Prüfer, der Jury, der Investoren, der Menschen vor uns denken.

Präsentieren bedeutet, mit Menschen zu reden.

Begeisterung fürs eigene Produkt/Thema macht oft blind für die problematischen Aspekte. Betriebslinde Begeisterung will keine Gegenargumente wahrnehmen. Aber es wird sie geben. Immer. Alles hat zwei Seiten. Mindestens. Ach, stimmt, da haben Sie Recht, daran habe ich noch gar nicht gedacht … Löcher in den Käse bohren, nenne ich das. Einer muss es tun. Oft tun wir das, Ihre Coaches, Dozenten, Trainer. Im Zweifelsfall tun es die anderen.

Aber ist ein gutes Wort. Es bedeutet, dass einer mitdenkt. Lassen Sie sich ruhig darauf ein. Streiten Sie nicht. Argumentieren Sie. Bleiben Sie sachlich, trotz aller Begeisterung. Seien Sie nicht beratungsresistent. Denken Sie schon vorher darüber nach, was andere gegen Ihre Idee haben könnten! Bohren Sie Ihre eigenen Löcher in den Käse. Seien Sie Ihr eigenes Aber, denken Sie um die Ecke, denken Sie vorausschauend, denken Sie mit unseren Köpfen, betreiben Sie Einwandvorwegnahme: »Jetzt werden Sie natürlich gleich sagen, dass … aber auch daran habe ich gedacht.«

Begeisterung, Emotionen – alles wichtig und richtig. Ohne präzise Zahlen, Daten, Fakten aber auch wieder nichts. ZDF. Zeit für Faktencheck. Checken Sie Ihre Fakten vor dem Vortrag. Sonst tut es ein anderer noch während Sie reden. Wir sind überprüfbar geworden. Wir reden nicht mehr in schalldichten Kabinen. Das große Lexikon, die Welt – in the palm of our hands. 

Vergessen Sie vor allem eins nicht: Für Geldgeber, Investoren, Preisverleiher sind Ihre Zahlen die Magie. Wenn Sie Brutto nicht von Netto unterscheiden können, Gewinn nicht von Umsatz, wenn Sie nicht wissen, wie viele Ringe Sie verkaufen müssen, um sich eine Woche an der Nordsee leisten zu können, sagen und denken wir häufig nur eins: . Niedlich, aber nö.

Puff, went the magic. Dragons, and all.

Comfort Zones

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Und dann spielt es keine Rolle mehr, ob wir in Grid oder linearen Präsentationen denken oder der Infinite Canvas. Wenn wir uns auf Fragen einlassen und Antworten haben. Wenn wir hinsehen und bereit sind, das Ruder auch mal aus der Hand zu geben und die Fenster aufzumachen, weil die Luft vor Denken steht und die Gesichter blass sind. Wenn wir vorher überlegen, was wir später brauchen. Wird vieles gut. Auch der Vortrag. Klammert euch nicht an eure Technik. Sie wird euch im Zweifelsfall nicht retten. Präsentieren bedeutet, mit Menschen zu sprechen.