Hörtext ist Radio

by anketroeder

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Ende Dezember sind meine Hörtext-Flyer fertig, gerade rechtzeitig zu den Prüfungen. Wahrscheinlich würde ein schlichtes Text-PDF es für meine Studierenden auch tun. Wie die letzten hundert Jahre. Oder eben hier, mein Text-Dump. QED.

Aber es geht nicht immer nur um meine Zielgruppe; die Studierenden. Manchmal brauchen auch wir, die Denkenden, Schreibenden, Lehrenden – #jessas – ein wenig mehr. Meine Jahres-End-Motivation ist wie immer a) Text und b) Blau und derzeit c) mein Blau aus InDesign jedwedem Drucker korrekt übergeben zu können.

Lernen, also.

Jeden Tag etwas Neues denken und lernen dürfen. Was für ein Glück.

Und jetzt wieder Sie: Hörtext ist Radio. Egal ob Pitch oder Referat oder Thesis.

And this is how we roll:

  • Präsentieren bedeutet, mit Menschen zu sprechen.
  • Wir übersetzen Ideen und Expertenwissen in lichte Ach-so-Momente.
  • Komplexe Informationen müssen wir dabei fast immer in viel kleineren, verständlicheren Einheiten vermitteln, als wir meist glauben.
  • Investieren Sie in Hörtext. Hörtext ist Klartext. Hörtext ist Radio.
  • Reden Sie klar, präzise und anschaulich.
  • Ich muss es mir vorstellen können!
  • Verstecken Sie Ihre Herzensbotschaft nicht
    hinter hölzerner Paragraphensprache.
  • Verständlichkeit und Wissenschaft schließen sich nicht aus.
  • Laien brauchen nur deutlich mehr Zwischenschritte und Erklärungen als Experten.
  • Was hilft? Lebendige Verben statt lehmschwerer Substantivierungsgebilde.
  • Wachmacherwörter. Salven! Reihungen!
  • Mehr Aktiv! Das Passiv ist ein kleiner Elefant.
  • Kürzer, klarer, präziser, farbiger, anschaulicher, konkreter, lebendiger.
  • Und immer relevant!
  • Adjektive sind beim Vortrag ausgesprochen ok. Hörtext ist Radio, nicht Print.
  • Hüten Sie sich vor dem COIK-Syndrom:
    dem finsteren Fluch des Fachwissens. 
    Clear only if known!
  • Fachsprache ja. Fachchinesisch nein. Nie.
  • Mäandern Sie nicht. Nicht heute. Nicht hier.
  • Machen Sie Sprechversuche im knackigen 9-Sekunden-Takt. Twittern Sie Old School; in 140 Zeichen. Ohne inszenierten Poetry Slam.
  • Kommen Sie deutlich früher auf den Punkt. Der Punkt ist eine Denk- und Atempause. Hier macht der Kopf einen Knoten um das Gehörte. Es muss Klick machen: Ach so!
  • Machen Sie uns wichtige Zahlen begreifbar.
  • Denken Sie in Analogien: 25 Meter sind eine Schwimmbahnlänge. Oder ein klassisches Berliner Wohnhaus. Achtstöckig.
  • Metaphern prägen die Vorstellungswelt.
  • Reden Sie so, wie Sie schreiben (sollten).
  • Reden Sie nicht wie ein Buch: Ich kann Sie nicht umblättern. Oder anhalten.
  • Weniger Nebensätze und Einschübe.
  • Kommata leben besser auf dem Papier.
  • Grobe Faustregel: Sags in dreizehn Wörtern.
  • Machen Sie bloß kein Evangelium daraus!
  • Spielen Sie mit Tempo, Satzlänge, Rhythmus.
  • Abwechslung ist Koffein für unsere Ohren.
  • Alles, was sich zu oft wiederholt, schläfert uns ein.
  • Jedes Zu ist eins zu viel: Zu ähnlich, zu laut, zu leise, zu monoton, zu theatralisch …
  • Arbeiten Sie an Ihrer Präsenz. Und unserer.
  • Ein Gedanke – ein Handschlag.
  • Machen. Sie. Pausen.
  • Pausenlos verliert immer. Uns ganz besonders.
  • Hörtext braucht Luft und Sauerstoff. Verschlucken Sie ihn nicht.
  • Guter Text atmet, lebt, singt und tanzt.
  • Lassen Sie ihn doch! Hörtext ist Musik.
  • Blättern Sie ruhig mal in einem Thesaurus.
  • Welche Wörter gibt es noch?
  • Welche sind positiv, welche negativ konnotiert?
  • Bekleidung, Kleider oder Klamotten?
  • Schlurfen Sie sprachlich nicht so! Aber stehen Sie auch nicht dauerstramm.
  • Weniger hellgraue Weichmacherwörter.
    Weniger
    irgendwie, eben, bisschen, halt.
  • Noch sehr viel weniger -heit, -keit und -ung.
  • Mehr konkrete Beispiele und Szenarien: 
  • Malen Sie mir ein Bild in meinen Kopf.
  • Wiederholungen ja. Redundanzen nein.
  • Halbsätze. Einwortsätze. Gegensätze.
  • Klingen Sie wie Ihr bestes Experten-Ich:
  • professionell, konzis, freundlich, verständlich.
  • Geben Sie Ihrem Text eine persönliche Stimme.
  • Er wird es Ihnen immer danken.
  • Wir auch.
  • Konkret, echt jetzt!