Body & Soul

by anketroeder

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Immer wieder lese ich (immer noch) sowas oder sowas Ähnliches: »Üben Sie Ihren Vortrag vor dem Spiegel. Denken Sie sich zu den wichtigen Stellen eine passende Geste aus.« Wer mich kennt, weiß, was ich dann seufze.

Nein. Nein. Nein. Nein. Nein.

Wir denken uns keine Gesten aus. Wir müssen uns keine Gesten ausdenken. Außer für schlechte Vorabendserien. Gesten sind Sprache, keine Makulatur. Sie sind keine Unterstreichung des Gesagten, Gesten sind das Gesagte. Gestikulieren ist Denken. Wir müssen nur genau wissen, was wir (sagen) wollen, müssen es fühlen und meinen und den richtigen Text parat haben.

Einzige Vorbereitung: Nichts in die Hand nehmen, was irrelevant ist, nichts umklammern, sich an nichts festhalten. Alles, was Sie in Hinblick auf Gestik üben müssen, ist das Loslassen. Dann macht ihr Körper den Rest. Ihr Körper ist die beste Ressource, die Sie haben.

Und nehmen Sie eine Kamera zum Üben, keinen Spiegel. Damit Sie wissen, was Sie gesagt haben. Spiegelbilder haben keine Ohren.

Danke an B. aus dem WS 2015 für diese leuchtenden Momentaufnahmen. Heute mache ich alles anders als sonst, sagte sie. Heute lese ich nicht ab. Heute spreche ich frei. – Es war die richtige Entscheidung. Es ist fast immer die richtige Entscheidung.