Liste der Vermeidbarkeiten

by anketroeder

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Die Liste ist jederzeit erweiterbar.

Sprache ist Verhalten. Sprache ist Spiegel. Hellgraue Wörter machen Sie unsichtbar. Dynamische Verben geben Ihrem Vortrag Farbe. Substantive sind statisch. Adjektive kichern hellgelb. Straßensprache lässt Sie cool und lässig wirken, arrogant, anbiedernd oder grob unhöflich. Mit Sprache können Sie zehn Menschen gleichzeitig auf die Füße treten und vor den Kopf stoßen; fast alle oder keinen erreichen und deutlich dümmer wirken als Sie tatsächlich sind. Sprache kann schlurfen oder strammstehen. Zwängen Sie Ihre Sprache nicht in ein Anno-dazumal-Korsett. Aber putzen Sie ihr ab und zu die Schuhe. Ziehen Sie ihr bequeme Sonntagskleidung an, die vor allem zum Thema passt. Dann passt es fast immer.

Was nicht passt:

  1. Ich möchte Euch heute ein bisschen was über ein Projekt erzählen. [
    Warum? Überhaupt: nicht so viel erzählen, mehr beweisen, vorstellen, zeigen, in Frage stellen.]
  2. Ich soll hier heute was über mein Fachgebiet sagen.
    [Dann bleiben Sie doch weg!]
  3. Das ist jetzt schon ein bisschen wichtig. Das ist relativ spannend.
    [Tatsächlich? Sind Sie sicher?]
  4. halt
  5. eben [genau!]
  6. genau!
  7. tatsächlich
  8. sach ich mal
  9. quasi
  10. supi
  11. Kommen wir nun zum nächsten Punkt.
    [Das hat man vor 50 Jahren so gemacht. Gerda: Nächstes Dia! – Gehts noch?]
  12. Ich muss mal pullern.
    [Kann man machen, wenn man jünger ist als zehn oder genau so klingen will.]
  13. Holz ist schön, da kann man schön dran rumgrabbeln. [Aha …]
  14. Da gabs mal so ne Installation, irgendwie … [Ja und?]
  15. Vielfältige Dinge … [Werden Sie konkret: Welche Dinge denn? Zählen Sie ruhig ein paar auf. Tut gar nicht weh.]
  16. sozusagen [Hilft auch nicht nachgehängt; keine echt gute Idee, sozusagen]
  17. Das ist echt sehr geil/krass/fett/abartig/beschissen … [
    extrem publikumsabhängig]
  18. Klamotten >> Kleider, Kleidungsstücke
  19. es wird … gemacht, getan, gesagt >> weniger Passiv, mehr Aktiv
  20. So, das wars. Mir fällt nichts mehr ein. [Mir auch nicht.]
  21. Oh, die Zeit ist schon um! [Gott sei Dank!]
  22. Die ganzen -heit, -keit, -ung- Fachlichkeitsungetümer.
  23. Die Verständlichkeit des fünften Genitivs einer Reihung abstrakter Begrifflichkeiten eines Jargons oder einer Fachsprache wird massiv überschätzt und ist Teil der Altlasten des DDR-Speak. Mauersprache ist immer unmenschlich.
  24. Hä? [Genau.]
  25. Cool.