Letzte Woche, diese Woche, jede Woche

by anketroeder

01-IMG_7648Wenn Sie nie jemanden gezielt mitschreiben und beobachten lassen, wenn Sie nach einem Vortrag nie nachfragen, was gestört und was geholfen hat, und vor allem, was die eine klar gehörte Botschaft ist, verschenken Sie eine von drei Chancen, die Sie haben, besser zu werden oder gut zu bleiben. Das Instant Audience Feedback. (Die beiden anderen Möglichkeiten sind Videoaufnahmen und eine gute Beratung.)

Wenn am Ende alle Studierenden sagen, es war ok, haben Sie verloren. OK ist immer schlecht. Entweder traut sich keiner, Ihnen die Wahrheit zu sagen, wegen der Noten zu Semesterende, oder es war so schlimm, dass alle höflich schweigen. Verloren haben Sie in jedem Fall. Menschlich und fachlich.

Mal sehen. Also. Schreibt, malt, scribbelt, zeichnet bitte alle mit. Be my camera.

Los geht es mit der Ansage, dass ich 48 Folien in 45 Minuten. Das ist der Killersatz. Wer den nicht im Bauch spürt, ist ein Zombie.

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Alle Stolperfallen, die ich heute einbaue, sind eigentlich laut und klar: Es sind deutlich ein paar Folien zu viel, eine ist viel zu detailliert, um auf einen Blick erfasst zu werden, eine Geschichte ist redundant, eine zu weitschweifig. Ganz klar hingegen müsste die inhaltliche Kernbotschaft sein: Weniger ist mehr. Die gestalterische Unterbotschaft: Kreise sind cool. Farbchoreografie und erkennbare Abschnitte sind auch cool. Trotzdem bleiben nur 5 von 7 Aspekten  hängen. Reicht. 5 von 7 ist schon ziemlich cool.
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Katzen sind auch cool, natürlich. Wobei Katzen in diesem Vortrag das Symbol für Störungen sind. Katzen wissen genau, was ich damit meine. Wäschestapel. Zu früh verschickte Mails. Und die alte VHS-Kassette von Pride & Prejudice (BBC, the one and only), bei der im Heiratsantrag des Pastors der dicke Maxx sich auf die Fernbedienung setzte und seitdem leider ein NDR-Beitrag über Herpesviren … Im Heiratsantrag.  Egal. Das war vor Blu-Ray und nicht-bufferndem Streaming, Kinder, und ist damit fast schon nicht mehr relevant und somit eher redundant.

(Diese beiden Begriffe kommen nächste Woche noch mal intensiv dran, aber Studierende lesen nur selten vorab. Gell?)
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Was man auch immer wieder lernt: Sie können es nie allen Recht machen. Der eine, der analytischste in der Runde, versteht die superlustige Detailfolie mit körpersprachlichen Skizzen von 25 gestressten und entspannten Hunden, weil er sich auf meine grafische Hervorhebung konzentriert, die andern verlieren sich im Entdecken. We almost all get lost in detail. 
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Klar wird auch, dass meine ungeliebten Zielsatzvordrucke helfen. Aber das wusste ich vorher schon. Man sieht fast alles, an so einem Zielblatt. Auch vorher schon.
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»Ich will begeistern«, ist kein hinreichend konkretes, umsetzbares persönliches Ziel. Und wenn Sie so einen wunderbaren Einstiegssatz auf einer Folie mitbringen wie »Architektur bedeutet, für Menschen zu bauen«, dann arbeiten Sie doch damit. Vergeuden Sie ihn nicht. Quetschen Sie diese Folie aus wie eine Zitrone. Huschen Sie nicht drüber hinweg. Um diesen Satz geht es doch in den nächsten Minuten. Und nur darum. Den Kundennutzen des Ateliers, das Sie bauen wollen.
10-IMG_7642»Ich will euch zeigen, warum mich die Radierung in ihrer Vielfalt so begeistert«, schon sehr viel eher. Und weil das auch genau so funktioniert, ist die Hauptsorge, klein und schüchtern zu wirken, ab jetzt keine mehr. Überhaupt keine mehr. Wir lieben Begeisterung, die ansteckt. Wir lieben aber auch und vor allem verständliche, freundliche Substanz zum Anfassen.

Warum oben auf der einen Mitschrift ALMI steht, weiß ich nicht.  Manches bleibt ein Geheimnis.

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Danke an alle fürs Aufpassen und Mitmachen und Mitschreiben und vor allem für die vielen Katzen!